Thomas Manns Villino in Feldafing

/Thomas Manns Villino in Feldafing
Thomas Manns Villino in Feldafing2018-09-30T22:00:55+00:00

In Feldafing am Starnberger See hat Thomas Mann das von ihm „Villino“ genannte Sommerhaus seines Freundes Georg Martin Richter in der für ihn persönlich besonders wichtigen Phase der Neuorientierung nach dem Ersten Weltkrieg bei zahlreichen Aufenthalten zwischen 1919 und 1923 nutzen können. Das Villino war von Juli 1999 bis Ende September 2018 als einziges Thomas-Mann-Museum in Bayern zu besichtigen. Ab Sommer 2019 soll das Haus durch eine Krankenhaus-Stiftung neu genutzt werden.

Abschied vom Villino

Eine Besichtigung des Villino ist ab Oktober 2018 nicht mehr möglich.
Link

Das Villino um 1920
Foto: TMFM.

Geschichte

Die Neuaufnahme der durch den Krieg zwischen 1915 und 1919 unterbrochenen Arbeit am Roman „Der Zauberberg“ (1924) ist mit diesem Haus in Verbindung zu bringen, wo im Mai 1921 das Fünfte Kapitel und damit der erste der beiden Bände des Romans beendet wurde. Die Begegnung im Villino mit einem Grammophon bildete die Anregung für den Musikabschnitt „Fülle des Wohllauts“ im Siebten und letzten Kapitel des Romans.

Der amerikanische Autor und Neurologe Prof. Oliver Sacks (r.) und Dirk Heißerer vor dem Grammophon im Villino, 2003.
Foto: Privat.
Elisabeth Mann Borgese im Villino,
Oktober 2000.
Foto: D.H.

Im August 1994 gelang Dirk Heißerer bei den Recherchen zu seinem Buch „Wellen, Wind und Dorfbanditen. Literarische Erkundungen am Starnberger See“ (1995, Neuausgabe 2010) die Wiederentdeckung des „Villino“ auf dem Gelände der damaligen Fernmeldeschule des Heeres (seit September 2012 im Besitz des Benedictus Krankenhauses Feldafing).

In Zusammenarbeit mit dem Thomas-Mann-Forum München wurde hier 1999 eine Dauerausstellung zur Orts-, Zeit- und Literaturgeschichte eingerichtet. Die erste Schirmherrin des Vereins, Elisabeth Mann Borgese, hat das Villino im Oktober 2000 besucht.

Das Benedictus Krankenhaus Feldafing ist seit Herbst 2012 neuer Besitzer des Geländes mit dem Villino. Bis Juni 2019 entsteht hier ein neues Krankenhaus, für das anfangs ein Thomas-Mann-Park und das Villino als Museum und Begegnungsstätte geplant war. In Zusammenarbeit mit dem Thomas-Mann-Forum München e.V. hat das Krankenhaus im Sommer 2014 dementsprechend einen Folder entworfen, der die Geschichte des Villino und seine Bedeutung als erstes (und bis heute einziges) Museum für Thomas Mann in Bayern anschaulich darstellt. Faltblatt. Im Juni 2018 wurde das langjährige Nutzungsverhältnis mit Dr. Dirk Heißerer und dem Thomas-Mann-Forum München e.V. überraschend zum 30. September 2018 gekündigt.

Im Villino war zudem die Ausstellung „Thomas Mann in Oberbayern“ zu sehen, die von Dirk Heißerer im Auftrag der Fachberatung Heimatpflege 2013 im Kloster Benediktbeuern eingerichtet worden war. Link

Sommerfest des TMFM vor dem Villino.
Foto: Privat.

Literatur zum Villino

  • Dirk Heißerer: Thomas Manns „Villino“ in Feldafing am Starnberger See (2001) Link
  • Dirk Heißerer: Thomas Manns Zauberberg. Einstieg, Etappen, Ausblicke (2000). Neuausgabe 2018 Link 
  • Dirk Heißerer: Mausloch mit Grammophon. Das „Villino“ in Feldafing. In: Ders.: Im Zaubergarten. Thomas Mann in Bayern (2005)  Link
  • Dirk Heißerer: Der Zauberberg in Feldafing. In: Ders.: Wellen, Wind und Dorfbanditen. Literarische Erkundungen am Starnberger See (2010) Link
  • Thomas Konofol: Sein Dichterstübchen am Starnberger See. In: Servus, Heft 08 (August) 2017, S. 98-101 Link